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Erweckung aus dem Dornröschenschlaf: Die Schülerbücherei der Charlotte-Salomon-Grundschule wird zum Freien Lernort
Lange Zeit wurde die Schülerbücherei der Charlotte-Salomon-Grundschule in Berlin kaum genutzt. Angeregt durch das Projekt „Freie Lernorte – Raum für mehr“ erwacht sie nun aus ihrem Dornröschenschlaf und wird mit viel Elan der Lehrkräfte und Elternmithilfe zu einem Freien Lernort umgerüstet. Thomas Zadow, Lehrer und Ansprechpartner des Projektes Freie Lernorte berichtet, was sich an seiner Schule in den letzten Monaten getan hat.
Die Ausgangslage
| Gut fünfzehn Jahre gibt es unsere Schule und genauso alt ist unsere Schülerbücherei. Genau genommen ist diese sogar älter, haben wir sie doch von der Schule, die sich vorher im Schulgebäude befand, praktisch geerbt. Einer der größten Räume unserer Schule, zentral gelegen und voll gestellt mit Büchern! Ein wahrer Schatz könnte man meinen, aber wie sieht es in Wirklichkeit aus? Nachdem bereits bei der Übernahme der Bestand nicht auf dem neuestem Stand und auch der Raum nicht besonders attraktiv eingerichtet war, tat sich seitdem nicht viel. Bei der Einrichtung blieb es. Neue Bücher kamen kaum hinzu. |

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Die Nutzung der Bücherei findet hauptsächlich in Pausen statt. Jede Pause geöffnet, nutzen einige Schüler/innen die Bücherei teils wirklich zum Lesen, aber auch einfach als Aufenthaltsmöglichkeit. Während der Unterrichtszeit wird die Bücherei häufig als ganz normaler Teilungsraum genutzt.
Das Projekt „Freier Lernort“ beginnt
Mittlerweile haben sich einige Kolleginnen gefunden, die sich der Bücherei annehmen wollen. Überwiegend sind es diejenigen, die bereits jetzt schon die Bücherei innerhalb der Pausen geöffnet halten. Ergänzt wird das Team durch Aktive des Projekts „Freie Lernorte“. Langsam reifen die Ideen zu Aktivitäten: Bestand katalogisieren, Bestand erweitern, Betreuung ausbauen, und die Bücherei um weitere Medien erweitern. Langfristig soll die ganze Einrichtung erneuert werden. Alle Vorhaben dürfen jedoch nichts kosten und Personal gibt es natürlich auch nicht! Stück für Stück werden nun die Positionen abgearbeitet:
Was bisher geschah: Katalogisierung und Bestandserweiterung
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Eine schon vor Jahren von einem Vater eines Kindes unserer Schule ausgearbeitete Datenbank wird jetzt konsequent zur Katalogisierung genutzt, eine systematische Nummerierung und Klebeetiketten sorgen dafür, dass jedes Buch wirklich nur einmal im Computer steht. Der Computer ist die Spende einer Firma, mit 600 MHz und 128 MB Hauptspeicher aber vollkommen ausreichend. Bei 1500-2000 Büchern (die Zahl ist bis heute nicht bekannt) wird die Katalogisierung Monate dauern. Der Versuch, einen Mitarbeiter mit Mehraufwands-entschädigung für diese Arbeit zu bekommen, führte noch nicht nachhaltig zum Erfolg; der erste hat bereits nach kurzer Zeit eine reguläre Ausbildung beginnen können. Sein Glück - unser Pech!
Die Analyse des Bestands ergab, dass vor allem Sachbücher fehlen, aber auch aktuellere Kinderliteratur. Verschiedene Aktivitäten sollen hier wenigstens die gröbsten Lücken schließen: Eine wiederholte Sammelaktion bei Kindern und Eltern der Schule wird gestartet , da mit zunehmendem Alter der Kinder bestimmte Bücher nicht mehr interessant sind, warum diese nicht der Schule spenden? |
Der Förderverein stellt etwas Geld zur Verfügung, mit dem die Lücken im Sachbuchbereich geschlossen werden sollen. Nicht jedes Buch muss sofort nach Erscheinen gekauft werden. Auch das „moderne Antiquariat“ bietet Schätze, die es nur zu finden gilt. So haben wir jetzt schon einige Bücher herabgesetzt von 15,- € auf 3,- € erstanden. Auf diesem Weg reichen auch 300,- € für viele Bücher!
Verlage werden angeschrieben. Erst kürzlich haben wir von einem Verlag, der gerade eine Sonderedition herausbringt, mehrere Bücher erhalten. Auch an Zeitschriftenverlage wenden wir uns, um vielleicht das eine oder andere Freiabonnement zu erhalten. |
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Dank Elternmithilfe: Der Freie Lernort erwacht zum Leben
Welchen Sinn hat eine Bücherei, wenn sie nicht geöffnet ist? Schließlich sollen die Bücher auch gelesen werden! Angeregt durch das erste Treffen im Rahmen des Projekts „Freie Lernorte - Raum für mehr“ in Wuppertal - dort wurde das Engagement bei der Betreuung verschiedener Räume durch Eltern beschrieben - dachten wir uns, warum soll dies nicht auch an unserer Schule möglich sein? Schon seit etwa zwei Jahren sind an unserer Schule „Lesepaten“ aktiv, Eltern, auch Großeltern, die in den Klassen ihrer Kinder Kindern vorlesen oder sich vorlesen lassen. Was anfangs in einzelnen Klassen versucht wurde, findet inzwischen in vielen Klassen statt und erfreut sich wachsender Beliebtheit. Und tatsächlich haben sich aus dem Kreis der Eltern inzwischen einige gefunden, die jeweils an einem Tag in der Woche die Bücherei zwei Stunden geöffnet halten und betreuen. Kinder - egal aus welcher Klasse – können in dieser Zeit in den Freien Lernort kommen, den Eltern vorlesen, sich etwas vorlesen lassen oder einfach nur die Möglichkeit nutzen selbständig zu lesen und zu arbeiten.
Dies ist jetzt an drei Tagen in der Woche möglich. Noch wird es (leider) nicht im erhofften Maß angenommen, aber die Erfahrung mit dem Computerraum lehrt uns, dass es einer gewissen Geduld bedarf! Auch dieser war viele Monate regelmäßig geöffnet, aber leer; inzwischen gibt es häufig die Situation, dass bei 16 Arbeitsplätzen Kinder wegen Überfüllung weggeschickt werden müssen. In der Bücherei haben wir genug Platz!
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Nahezu noch unbemerkt gibt es in der Bücherei inzwischen zwei Computer-Arbeitsplätze für Schüler/innen. Wir haben uns im Vorfeld darauf verständigt, diese nicht an das Internet anzuschließen, ansonsten aber ist es möglich, hier Informationen aus einer größeren Anzahl von CDs der verschiedensten Wissensgebiete abzurufen, Texte zu schreiben und auszudrucken. Da die Computer zudem im schulischen Netzwerk eingebunden sind, können die Texte auch in der Klasse oder im Computerraum weiter bearbeitet werden. Über weitere Medien (z. B. Hörbücher) haben wir uns noch nicht verständigt, dies dürfte aber ohnehin in den nächsten Jahren kaum finanzierbar sein. |
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Grundregeln für die Nutzung
Um die engagierten Eltern nicht zu überfordern, gibt es für den Besuch des freien Lernortes einige Grundregeln:
- Jüngere Schüler/innen erhalten einen Laufzettel, auf dem aufgeschrieben ist, was sie in der Bücherei tun sollen oder dürfen.
- Für alle gilt, dass sie bei Nichteinhalten der Regeln ohne große Diskussion wieder in die Klasse zurück geschickt werden können.
- Ein/e Lehrer/in sollte zumeist erreichbar sein (oder auch die Schulsekretärin, deren Büro direkt gegenüber die Bücherei liegt).
- Versucht wird, aber nicht immer klappt es, persönlich mit den Eltern zu reden, sie auch in den weiteren Ablauf der Bücherei einzubeziehen.
Perspektiven für den weiteren Projektverlauf
Eigentlich fehlt jetzt nur noch eine brauchbare und ansprechende Einrichtung. Nicht dass es an einzelnen Vorschlägen mangelt! Notwendig ist eher eine tragende Idee für den ganzen Raum, die sich zudem möglichst ohne Geld umsetzen lässt. Wir versuchen gerade eine Mutter, die als Innenarchitektin arbeitet, für die Mitarbeit zu gewinnen und zumindest einen kleinen Zuschuss aus Drittmitteln (quasi als Startkapital) anzuwerben.
Zweieinhalb Jahre bleiben uns noch, um innerhalb des Projektzeitraums unsere Bücherei wie beschrieben umzugestalten; aber eigentlich wollen wir schneller sein, auch wenn es an Geld und Personal fehlt. Wir versuchen es mit Ausdauer, Engagement und guten Ideen!
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