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Die Schule als ganztägiger Lebensraum

Dunkle Räume, viel zu wenig Platz, heruntergekommene Gebäude: In vielen Schulen finden Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte eine Atmosphäre vor, die kaum zum Lernen einlädt und in der konzentriertes Arbeiten schwer fällt. Gruppenarbeit, offene Unterrichtsmethoden, selbstgesteuertes, individuelles Lernen scheitern oft an den räumlichen Missständen. Durch die Einrichtung von Freien Lernorten möchten Schulen anregende Lernumgebungen schaffen und zukunftsfähiges Lernen ermöglichen.

Nachdem die 30 Projektschulen des Projektes Freie Lernorte – Raum für mehr auf dem zweiten Erfahrungsaustauschtreffen in Hofheim ihre Visionen über zeitgemäße Lernumgebungen diskutiert und erste Konzepte für eigene Freie Lernorte entwickelt haben, hatten sie im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung in der Stadt Herford die Möglichkeit zu erleben, wie sich eine veränderte räumliche Gestaltung auf Lernen auswirkt.

Rainer Schweppe

In einem Einstiegsreferat erläuterte PD Dr. Wilfried Buddensiek von der Universität Paderborn seine Erkenntnisse über zukunftsfähige Lernorganisation und Lernraumgestaltung und gab zahlreiche Anwendungstipps für die Einrichtung von Freien Lernorten. Rainer Schweppe erläuterte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Anschluss die Ideen und Konzepte der Schulgestaltung der Stadt Herford. Am Nachmittag konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit eigenen Augen sehen, wie die von Professor Buddensiek und Rainer Schweppe vorgestellte Theorie der Lernraumgestaltung in drei Herforder Grundschulen umgesetzt wird.

Das Beispiel Herford: Gemeinsam lässt sich viel bewegen
In Herford hat man schon früh erkannt, dass Bildung ein wesentlicher Standortfaktor für Kommunen ist. Eine starke Auseinandersetzung der Stadt mit dem Thema Bildung und die Neugestaltung aller elf Herforder Grundschulen waren die Folge. Die räumliche Gestaltung von Schule und die Entwicklung einer neuen Lernkultur kann nicht nur Aufgabe der Lehrkräfte sein.

Damit solche gravierenden Veränderungen – wie sie die Fortbildungsteilnehmer in Herford erleben konnten - möglich werden, müssen Politik, Verwaltung, Schulen und Kooperationspartner an einem Strang ziehen, sich gemeinsam engagieren und auch Anregungen von außen einholen.

Den Anstoß für die umfangreichen Erneuerungen und die Motivation für Veränderungen gab eine gemeinsame Reise nach Schweden.  Zusammen mit Schulträger, Bauplaner, Architekt und dem Bürgermeister machten sich die Schulleitungen der Grundschulen auf den Weg die Futurum Schule in Balsta zu erkunden. Schon während der Busfahrt wurde intensiv geplant und erste Umbaumaßnahmen für die Schulen entwickelt. Wenige Monate später waren an der Grundschule Landsberger Straße bereits erste Modellräume nach schwedischem Vorbild eingerichtet.

Transparente Schule

 Aspekte einer pädagogischen Lernraumgestaltung
„Lernraumgestaltung ist weit mehr als ästhetische Gestaltung. Ein schöner Anstrich macht wenig Sinn, wenn man das alte Mobiliar beibehält“ erläutert Buddensiek den Lehrkräften. Ausgangspunkte für eine sinnvolle Lernraumsgestaltung sind seiner Meinung nach immer die pädagogischen Ziele und die Funktionen, die dieser Raum erfüllen soll.

Grundschule Elverdissen: Flexible Dreieckstische schaffen Platz
Wenn es pädagogisch gewünscht ist, dass in einem Raum offene Unterrichtsmethoden praktiziert werden, Kleingruppenarbeit genauso möglich ist wie individuelles Arbeiten an Einzeltischen, Stuhlkreis und Frontalunterricht sich abwechseln, dann müssen die Möbel einen schnellen, einfachen Wechsel ermöglichen, der das Unterrichtsgeschehen so wenig wie möglich stört.

Aus diesem Grund, so Buddensiek, sind die Dreieckstische an der Grundschule Elverdissen mit Rollen am dritten Bein ausgestattet. Dadurch sind sie wie eine Schubkarre bewegbar. Wenn sie nicht benötigt werden, werden sie einfach gestapelt werden und verschwinden so in der Ecke des Klassenzimmers.

Der Tisch macht’s: Teamfähigkeit fördern
Am Beispiel des Ziels Teamfähigkeit stärken, erläutert Buddensiek, welche Auswirkungen pädagogische Ansprüche auf die Raumgestaltung haben. Für eine effektive Gruppenarbeit ist nach seinen Ausführungen eine möglichst geringe Kommunikationsdistanz notwendig.

Entscheidend ist hierbei nicht ausschließlich die Entfernung zwischen den Gruppenmitgliedern, sondern auch der Blickwinkel. „Wenn ich jemanden in einer Gruppe nicht sehe, findet keine Kommunikation statt“, betont der Schulentwicklungsexperte. Nach einer Arbeitsplatzanalyse ist er zu dem Schluss gekommen: Rechtwinklige Gruppentische führen gleich zu zwei Problemen. Eine große Kommunikationsdistanz innerhalb der Gruppe und eine  geringe Kommunikationsdistanz zu den Nachbargruppen. Da rechtwinklige Tische sehr viel Platz beanspruchen und die verschiedenen Gruppen somit sehr eng zusammen sitzen wird der Dichtestress größer. Dies führt zu Konfliktpotenzial und zu mehr Störungen innerhalb der Arbeitsphase.
Eine wesentlich geringere Kommunikationsdistanz lässt sich durch die Verwendung von Trapeztischen ermöglichen, da hier ein guter Blickwinkel zu allen Gruppenmitgliedern erreicht werden kann. Zudem lassen sich diese Tische platzsparender anordnen. Ein Trapeztisch kann sogar als Diagnose- und Therapieintsrument dienen, betont Buddensiek. „Bei einem Trapeztisch sieht die Lehrkraft sofort, wenn ein Schüler aus der Konzentrik und somit aus der Gruppenarbeit ausbricht und kann reagieren.“

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